Schulgeschichte 1963 bis 1988

Der Frieden um die neue Dorfschule dauert genau zwei Jahre, dann kam wie ein Sturmwind die neue Schulreform. Die Oberstufenklassen wurden aus den Dörfern zu Mittelpunktschulen abgezogen. In den dort zu bildenden Jahrgangsklassen erhoffte man für die Kinder aus ein- und zweiklassigen Schulen eine bessere Ausbildung und Chancengleichheit mit den viel gegliederten Systemen in den Stadtschulen.

Im Mai 1965 zog man zuerst das 7. und 8. Schuljahr nach Kastellaun. Erstmals werden Schulbusse für den Transport eingesetzt. Die zurückbleibenden 6 Jahrgänge umfassten noch 48 Kinder (20 im 1. – 3. Schuljahr, 28 im 4. – 6. Schuljahr). Die einklassige Schule Hollnich wurde völlig aufgelöst. Die Kinder vom 1. – 6. Schuljahr kamen wieder zur Volksschule nach Gödenroth.

Am 1. August 1970 führte man in Rheinland-Pfalz die Simultan schule als Regelschule ein. Die bisherige „Evangelische Volksschule Gödenroth“ wird in „Volksschule, 5449 Gödenroth“ umbenannt. Es ändert sich nichts, denn die katholischen Kinder von Gammelshausen und Hollnich, von Braunshorn und Dudenroth gehen weiter nach Kastellaun bzw. nach Lingerhahn. In der Schulchronik von Gödenroth liest man den resignierenden Satz: „Damit scheint das Schicksal der Schule Gödenroth besiegelt zu sein. Mit Inbetriebnahme der Hauptschule Kastellaun und der damit verbundenen Abgabe des 5. und 6. Schuljahres ist unsere Schule nicht mehr existenzfähig, höchstens als Übergangslösung, bis die Raumfrage in Kastellaun geklärt ist. Gemeinde und Pfarrer haben sich aktiv für den Erhalt der Schule eingesetzt, ohne dass ein Erfolg zu verzeichnen wäre. „

Ab 1. August 1971 verlassen auch das 5. – 6. Schuljahr das Dorf, und die Schule erhält die neue Bezeichnung „Grundschule, 5449 Gödenroth“. Es sind gerade acht Jahre vergangen, seit man dieser Schule Weihreden gehalten und beste Wünsche für kommende Schülergenerationen mit auf den Weg gegeben hatte.

Rückblickend erkennt man, wie viel Unruhe und Unmut durch diese sich zum Teil überschlagenden Schul- und Funktionalreformen zusammen mit kommunalen Neugliederungen in die Dörfer und in die Bevölkerung hinein getragen wurden. Nicht alles war gut, und manches wäre im Nachhinein nicht mehr geschehen.

Um die Schule und vor allem ihre Zweitklassigkeit zu erhalten, trat man mit den Gemeinden Braunshorn und Dudenroth in Verhandlungen, um eine Umschulung der Grundschulkinder dieser beiden Orte von Lingerhahn nach Gödenroth zu erreichen. Beide Gemeinden stimmten  zu, da sich der Schulweg für ihre Kinder erheblich verkürzte. Die Schülerzahl in Gödenroth betrug nun (1971) 54 Kinder.

Durch die Versetzung eines katholischen Lehrers von Schnellbach auf die 2. Schulstelle wurde die konfessionelle Parität gewahrt und ein kontinuierlicher Schulbetrieb gesichert. Der laufende Wechsel von Lehrerpersonen auf der 2. Stelle hatte der Schule keine Vorteile gebracht.

Aus den Berichten der Schulchronik erkennt man in den Folgejahren ein geordnetes und vor allem erfolgreiches Unterrichtsgeschehen: Erkundung der Heimat bei zahlreichen Ausflügen, Wanderungen und Fahrten, ein funktionierender Sportbetrieb, der durch die Einführung von Schwimmunterricht im Hallenbad Kastellaun bedeutsame Erfolge zu verzeichnen hatte. 1972 erreichte man mit 50% Freischwimmern im Schwimmwettbewerb der deutschen Schulen auf Bundesebene den 4. Platz, 1975 kam die Schule mit 92,3% Freischwimmern auf den 2. Platz.

Sachunterricht, Werkunterricht, Fahrradprüfungen durch die Verkehrsschule und der Übergang von 50% der Schüler im Jahre 1974 zu weiterführenden Schulen bewiesen die Qualität auch einer zweiklassigen Grundschule.

1975 vereinbarten beide Lehrer, jährlich die Klassenführung zu wechseln. Dadurch, dass die Verbandsgemeinde Sachkostenträger für die Schule und ihre Einrichtung wurde, erhöht sich der Eta für Lehrer- und Lehrmittel sehr positive. Gleichzeitig wurde das Kreisschulamt in Simmern als Aufsichtsbehörde aufgelöst und der bisherige Kreisschulrat zur Bezirksregierung nach Koblenz versetzt.

„Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ew´ger Bund zu flechten.“ Drohend wirkt die Nachricht 1978 von einem achtklassigen Grundschulneubau in Beltheim. Und wiederum steht in der Schulchronik der Schicksalsschwere Satz: „Damit rückt die Zeit der Auflösung unserer zweitklassigen Schule heran.“ In diesem Sinne hatte der Verbandbürgermeister am 8.März 1978 Elternbeiräte, Lehrer und Gemeindevertreter unterrichtet, und im ersten Schrecken hatte sich der Elternbeirat von Gödenroth bei einer unausweichlichen Auflösung für Beltheim statt für Kastellaun entschieden.

Man hatte jedoch nicht mit dem entschiedenen Widerstand der meisten Eltern gerechnet. Auf einem, am 9. November 1978, einberufenen Informationsabend kam es mit dem Verbandsbürgermeister zu heftigen Diskussionen und strikter Ablehnung. Neben dem Elternbeirat bildet sich eine „Elterninitiative zur Erhaltung der Grundschule Gödenroth“. Zwischen beiden Vertretungen kam es anfangs zu heftigen Kontroversen, die der Schulleiter schlichten konnte. Nun zog man an einem Strang, Zeitungsanzeigen und Flugblätter machten auch den Letzten mit den Vorhaben vertraut. Die Hunsrücker Zeitung brachte eine dicke Überschrift: „SPÄTES BEMÜHEN UM EINE DORFSCHULE“, und sie schildert den Verlauf der hitzigen Debatte im Gemeindehaus. Nun setzt ein zähes Ringen ein. Alle behördlichen Stellen wurden eingeschaltet. Man führte Gespräche mit Landtagsabgeordneten, dem zuständigen Oberregierungsschulrat und der Bezirksregierung als der zuständigen Stelle für Schulorganisation. Man ging bis zum Kulturministerium und schaltet den Bürgerbeauftragten für Rheinland-Pfalz ein.

Quelle: Homepage Gemeinde Gödenroth

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